Pressebericht St. Galler Tagblatt vom September 2004

 

 

Samstag, 4. September 2004

Dolcettotrauben prägen das Land

 

Eine Reise ins Piemont ist ein Ausflug abseits von grossen Touristenströmen

Das Piemont hat landschaftlich und kulinarisch viel zu bieten. Im Herbst ist diese norditalienische Region die ideale Gegend für ein Mal- oder Weinbauseminar.

Madeleine Stäheli Toualbia

Das Land wird hügeliger, die ersten Weinberge schmiegen sich an die Hänge. Sie sind die Lebensgrundlage vieler Familien dieser Region. Die Autobahn-Ausfahrt Asti-Est kommt näher. Annelies Meyer blinkt und hebt den Fuss vom Gaspedal. Sie und ihr Begleiter Rolf Jakob sind im Piemont. Sie haben die grossen Landwirtschaftsgebiete von Verbania bis Alessandria durchquert und sind an unzähligen Reisfeldern vorbeigebraust, deren Ertrag ein wichtiger Exportartikel dieser norditalienischen Region ist. Auf der Schnellstrasse Richtung Alba tauchen plötzlich die zahlreichen Schlösser mit ihren mittelalterlichen Städten auf. Weinberge schmiegen sich an die Hänge, so weit das Auge reicht. Dieser Anblick ist im Spätherbst unübertrefflich, wenn sich die Blätter der Dolcettotraube rot verfärben und aus dem nebligen Graugrün des Tales feurig hervorleuchten. Noch aber ist Frühling, die Hügel sind von einem saftigen, satten Grün, von dem sich die ziegelroten Dörfer im noch milden Sonnenlicht in unwirklicher Schönheit abheben. Das ist der Langhe, diese südpiemontesische Gegend, in der man am besten in kleinen Hotels oder auf den Agriturismushöfen übernachtet.

 

Einen Espresso wert

Eine Woche Ferien ist fast zu knapp, um sich dieser Schönheit ganz anvertrauen zu können. Rolf schaltet das Radio ein. Es dauert eine Weile, bis er einen Musiksender findet. Die beiden entschliessen sich spontan, nach Alba, der Hauptstadt des Langhe, hineinzufahren. Es ist noch früher Vormittag, aber die Strassen im Zentrum sind bereits verstopft. Im Kampf aller gegen alle versucht Annelies auf der einspurigen Strasse, die zweispurig befahren wird, abzubiegen. Die Autos drängeln in jede freie Lücke, die rote Ampel wird an dieser Kreuzung nur als Richtwert verstanden. Sie hat kaum Zeit, auch nur einen Blick für die schönen historischen Altstadthäuser zu verschwenden. Es gibt viel zu sehen hier. Der Reiseführer nennt zum Beispiel den Dom aus der Römerzeit, die Kirche Santa Maddalena aus dem 18. Jahrhundert oder die gotische Kirche San Domenico aus dem 13. und 14. Jahrhundert. Auch die kleinen Kaffees in der Altstadt sind laut Reiseführer einen Espresso wert. «Wir haben Zeit», sagen sich die beiden, und verlassen die lebhafte Hektik der Stadt, die natürlich, wie die ganze Gegend, auch ein wichtiges Weinbauzentrum ist. Im Herbst findet hier der bekannte Trüffelmarkt statt. Sie fahren weiter auf der Schnellstrasse in Richtung Barolo, dem Ort, der dem berühmten piemontesischen Qualitätswein seinen Namen gegeben hat. Bei Gallo d'Alba biegen sie ab in Richtung Sinio.

 

Interessante Vergangenheit

Das Piemont hat eine lange und wechselhafte Geschichte hinter sich. Viele Schlösser und Burgen entstanden im Mittelalter, als auch die Städte Asti, Alba, Vercelli und Alessandria gegründet wurden. Im Laufe der Zeit hatte das Haus Savoyen die Markgrafschaften des Piemonts unterworfen. Die Gegend wurde zum Zankapfel zwischen Frankreich und Habsburg, war fast vier Jahrhunderte lang Kriegsschauplatz. Im 16. Jahrhundert verlegten die Herzöge von Savoyen ihren Lebens-Mittelpunkt nach Turin, das bereits in vorrömischer Zeit besiedelt gewesen war und unter den Römern als Militärlager diente, und machten die Stadt zur Hauptstadt des Herzogtums. Das trug massgeblich zur Entwicklung des Piemonts bei. Im 18. Jahrhundert wurde das Piemont unter den Savoyern, vereinigt mit Sardinien, zum Königreich. 1861, ein Jahr nach der Einigung Italiens, wurde der Savoyer Vittorio Emanuele II. zum König des geeinten Italiens gekrönt. Seither ist das Piemont italienisches Gebiet. Turin war ab 1861 Hauptstadt, verlor diesen Status aber an Florenz. Die Industriestadt Turin und Hauptstadt des Piemonts hat mit Fiat eine weltbekannte Automarke hervorgebracht und wird im Jahr 2006 Austragungsort der Olympischen Winterspiele sein.

 

Gäste willkommen

Annelies Meyer und Rolf Jakob wollen nach Sondrea, einem 300 Jahre alten Bauerngut, das eine wunderbare Aussicht auf die hügelige Landschaft bietet. Sondrea liegt auf 450 Metern über Meer zwischen den altertümlichen Dörfern Sinio und Montelupo. Sondrea ist ein Agriturismushof und wird seit 14 Jahren von den Schweizern Andi und Sonja Mächler-Schellenberg bewirtschaftet. Nebst eigenem Wein aus Dolcetto- und Nebbiolotrauben bieten Mächlers drei Wohnungen, eine Attikawohnung sowie Einer- bis Dreierzimmer mit eigenem Bad für Feriengäste an. Ein Aufenthaltsraum mit Kochnische und ein gedeckter Gartensitzplatz stehen zur Verfügung. Eine Attraktion ist der geschwungene grosse Swimmingpool, eingefasst mit rötlichen Pflastersteinen, in dem man sich vor allem während heisser Sommertage abkühlen kann, während die Grillenkonzerte der Landschaft etwas Feierliches verleihen. Zahlreiche Bäume und Nischen sorgen für Schatten und Ruhe.

 

Ausflugsmöglichkeiten

Andi und Sonja Mächler versorgen sich und ihre Gäste vorwiegend selber. Zahlreiche Ausflugsmöglichkeiten mit dem Auto, zu Fuss oder mit dem Fahrrad bieten Gelegenheit, Land und Leute kennen zu lernen sowie die Weinbaugebiete des Barolos und Barbarescos zu besuchen. Dolcetto-, Barbera- und Nebbiolotrauben bilden die Grundlage dieser ausgezeichneten Weine.

 

Mal- und Weinbauseminar

Vom 2. bis 9. Oktober, zur Weinlese und zur Zeit des Trüffelmarktes in Alba, bieten Kunsttherapeutin Annelies Meyer und Weinfachmann Rolf Jakob auf dem Agriturismushof Sondrea Seminare an.

Annelies Meyer, die Land und Leute während unzähliger Aufenthalte kennen gelernt hat, führt als Kursleiterin der Malwerchstatt Bodensee ein Malseminar durch, das die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an die interessantesten und schönsten Plätze der Gegend rund um Sondrea führt. Rolf Jakob wird Interessierte im Rebberg der Familie Mächler in den Weinbau einführen. Zum Weinseminar gehören Weinproben ab Fass bei verschiedenen Produzenten sowie Degustationen in umliegenden Enotheken. Nähere Informationen über Ferien in Sondrea sind unter www.sondrea.ch zu erhalten. Auskünfte und Buchungsunterlagen für das Mal- und Weinseminar erhalten Interessierte unter www.malwerchstatt-bodensee.ch oder unter der Telefonnummer 079 602 21 22. (mst)

 

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